RECHNUNG
Wie Du auf 60 Stunden pro Kassette kommst, weiss ich nicht - vermutlich ein Typo, also nehmen wir 100 Stunden für 200 Euro! (6000 Minuten meintest Du vermutlich)
Ich gehe davon aus, dass beide Kameras gleich teuer sind (HDV oder AVCHD) und rechne darum nur die Kosten für die Medien:
Szenario A
Um die Eingenschaft der Kassette als Archivmedium zu wahren, können wir bei der Kassette ein Minimum von 200 Euro nehmen für jemanden, der nur filmt und die Kassetten dann so in den Schrank stellt und KEINE zusätzlichen Medien für bearbeitete Projekte nimmt, wie das eigentlich üblich ist.
200 Euro sind also bei der Kassette damit ein Minimum
Bei der Speicherkartenkamera brauche ich für die 100 Stunden ca. 400 GB. Für 80 Euro kriege ich die 400 GB als Festplatte und für die restlichen 120 Euro kann ich SD-Karten mit einer Kapazität von zusammen 3 Stunden kaufen und habe evtl. noch eine weitere Stunde zur Kamera kostenlos gekriegt. Diese Karten kann ich länger verwenden als ich überhaupt filmen kann.... (Nebenbei: es wäre natürlich trotzdem UNSINN bereits eine Festplatte mit der GESAMTEN Kapazität für das gesamte Kameraleben zu kaufen.... - wenn man das Schrittweise tut, dann profitiert man von den sinkenden Preisen bei den Festplatten). an würde also beispielsweise für 30 Euro eine Festplatte für die ersten 20 Stunden Video kaufen (das sind immerhin 25% des Kameralebens mit Deinen Zahlen, Helferlein) also blieben mir im Gegensatz zur Kassettenkamera noch 170 Euro und mit denen kann ich natürlich deutlich mehr anfangen!
In diesem Szenario fehlen noch die einfach beschreibbaren Karten, welche ich zum Filmen und gleichzeitig archivieren nehmen könnte und es fehlt desweiteren der kontinuierliche starke Preisverfall bei den Speicherkarten und Festplatten. So kann ich für 120 Euro, die mir nach der Festplatte bleiben (neben der Festplatte könnte ich natürlich auch noch DVD-Rohlinge für die
doppelte Archivierung kaufen: macht 50 Cents für die besten Rohlinge die es gibt pro Stunde) im nächsten Jahr schon die mindestens die doppelte Kapazität bei den Speicherkarten erwarten, während die Kassetten, wie wir wissen, immer noch bei 2 Euro sein werden....
Dieses Szenario ist besonders diskutabel, weil es nur die Leute angeht, welche das Video nicht bearbeiten (schwierig in diesem Forum

). Und bei der Speicherkarte ist eben der Preisverfall schwierig einzuberechnen, dazu die Anfangskapazität und weiter kann man beim Filmen mit Speicherkarte immer fertige Projekte ODER ungeschnittenes Material archivieren, weil ausser bei der einfach beschreibbaren Karte noch kein Archivmedium hier ist....
Gehen wir also über zu einfacheren Szenarien:
Szenario B
Bei 100 Stunden Material möchte so Mancher noch Projekte herstellen und diese dann auf eigenen Kassetten archivieren. Das würde also nochmals 2 Euro pro Kassette für die fertigen Projekte kosten, was viele User so handhaben: z.B. 1 Stunde pro Projekt bei 100 Stunden Material, macht nochmals 20 Euro (= eine Speicherkarte)
Damit wären wir also bei 220 Euro bei der Kassettenkamera in diesem Szenario.
Bei der Speicherkartenkamera kann man für 220 Euro schon einiges anstellen:
- die erste Festplatte für 30 Euro für die ersten 25% des Kameralebens (wenn man 100 Stunden Video als EIN Kameraleben nimmt, wie Helferlein wünscht - obwohl die Speicherkartenkamera nach 100 Stunden natürlich erst richtig warm wird

und die Kassettenkamera schon raucht

)
- für 190 Euro gemischt mehrmals beschreibbare und einfach beschreibbare Speicherkarten, wobei wir die Preise der letzteren noch nicht kennen. Laut SanDisk sollen sie eine "günstige" Variante sein und sind für's Archivieren gedacht... nehmen wir an, sie würden im Durchschnitt (wenn sie im August kommen bis zum Schluss des Kameralebens) 4 Euro kosten, dann könnte man mit den 190 Euro damit 47 Karten für 47 Stunden kaufen. Der Durchschnittspreis von 4 Euro ist auf 10 Jahre gerechnet (August 2007 z.B. 10 Euro im Ggs. zu 25 Euro für die mehrfachbeschreibbare - im August 2017 rein mathematisch nur noch 1/1024 der 10 Euro, also 1 Cent.... dagegen wäre mein Durchschnittspreis von 4 Euro sogar Wucher und mathematisch deutlich zu hoch!). Die Schwierigkeit liegt also darin, die Preisentwicklung mit in das gesamte Kameraleben einzubeziehen, aber klar ist: ein User wird NICHT 100 Stunden (= ein Kameraleben laut Helferlein) in einem Wochenende durchlassen.... davon abgesehen filmt man mit einer Speicherkartenkamera WENIGER, weil Abfall schneller wegfällt (Thumbnails -> die ganze Rechnung müsste man schon alleine deshalb auf z.B. 70% reduzieren, wenn man bei den Kassettenkameras von 30% Abfall ausgeht, der bei Speicherkarten nicht anfällt...) und dazu hält die Speicherkartenkamera sicher 200 Stunden, wenn eine baugleiche Kassettenkamera 100 Stunden hält (theoretisch) also könnte man die Zahlen für die Speicherkartenkamera auch halbieren.... Die Speicherkartenkamera mit viel längerem Kameraleben kann man natürlich auch (besser) noch verkaufen nach 5, 10, 15 Jahren. Die Lebenserwartung wird bekannt sein, mögliche Probleme können ausgeschlossen werden, bei einem guten Preis kriegt man die Kamera eher los als eine 10 Jahre alte Kassettenkamera... das könnte man AUCH in die Rechnung nehmen, was ich aber natürlich nicht tun werde... Wir rechnen 1 zu 1, wie wenn beide Kameras gleich lange leben würden.
Szenario C
Mal ein ganz anderes Szenario: einer der DAUERND filmt und LANGE filmt: er schafft es, eine Kassettenkamera auf 500 Lebensstunden zu kriegen. Macht 1000 Euro für die Kassetten (OHNE fertige Projekte!!).
Mit 1000 Euro kann der User mit der Speicherkartenkamera HEUTE Karten für 10 Stunden Kapazität kaufen: macht 585 Euro. Für den Rest von 415 Euro kauft er sich eine Festplatte (oder mehrere), vielleicht noch eine Kiste voll einmal beschreibbare Karten (kontinuierlich über die Jahre verteilt mit eingerechnetem Preiszerfall!!) und vielleicht noch ein paar Spindeln DVDs und mit der Zeit auch BluRay Discs (die kosten heute schon bei
6,5 Stunden AVCHD nur
7 Euro für Sony und andere).
Hier muss man also nicht gross rechnen: wer VIEL filmt, der ist auf ein komplettes Kameraleben bis zu ein paar hundert Euro GÜNSTIGER dran, als mit einer Kassettenkamera und kann sich auch dem Markt anpassen: heute auf DVDs und Festplatte doppelt archivieren (macht weniger als 1 Euro pro Stunde für Sommer 2007) und morgen schon auf BluRay Disc (macht JETZT EIN EURO pro Stunde und in wenigen Monaten nur noch 15 Cent, bei den angekündigten Preisen für die NAHE Zukunft und nicht mal 10% des Kameralebens...).
In dem Szenario mit 500 Stunden Video kommt es also DEUTLICH günstiger. Nun aber zum anderen Extrem:
Szenario D
Ein User kauft die Kamera ohne viel zu filmen und kommt auf nur 50 Stunden Video total, danach ist die Kamera kaputt (oder er selber) oder er verkauft die Kamera etc. etc.
Bei 50 Stunden kostet ihn das 100 Euro nach dem Kamerakauf für das Material. Er archiviert die Kassetten direkt und bearbeitet nichts daran und speichert keine Projekte auf zusätzliche Medien.
Bei der Speicherkartenkamera reichen so einem User natürlich 2 Stunden ständig dabei zu haben - macht 50 Euro (bei der SD1). Dazu kauft er mit den restlichen 50 Euro noch eine Festplatte oder / und Rohlinge je nachdem auf was er archivieren will. Wenn er doppelt archivieren will muss er die Medien KONTINUIERLICH über mindestens 3 Jahre kaufen um die 50 Euro nicht zu überschreiten.
Zusammenfassung:
Szenario A ist das am schwersten zu beurteilende, weil es durch viele Faktoren sehr diskutabel ist. Die Preise von Kassetten haben sich zum Teil gegen Ausklang des Mediums (Digital8, Video8) ERHÖHT, was nicht einbezogen werden konnte und was auch nicht fair wäre - klar ist: günstiger wird die Kassette nicht, ihr Preis ist seit Jahren stabil und das Medium wird nicht weiterentwickelt, so bleibt der Preis stabil oder wird höher, wenn 5er Packs oder gewisse Hersteller von der Produktion verschwinden werden, wie wir es von MicroMV Videokassetten, Digital8 Videokassetten, aber auch Schwarz-Weissfilmen etc. kennen. Hier bin ich davon ausgegangen, dass die Kassette ein Kameraleben lang 2 Euro pro Stück kostet.
Die Medien, der Workflow und sogar die Lebensdauer der Kameras sind bei diesen beiden Systemen so unterschiedlich, dass es schwierig ist, fair zu rechnen. Das zeigt aber, dass KEINES der beiden Systemen in Szenario A DEUTLICH günstiger ist als das andere System
Bei Szenario B habe ich auch versucht, beide Systeme aneinander anzugleichen um zu zeigen, dass mit DIESER Menge Material im Falle von einem Workflow mit Master-Medien für fertige Projekte die Speicherkartenkamera nicht teurer kommt als die Kassettenkamera.
In Szenario C wird die Speicherkartenkamera erstmals deutlich günstiger. Ich habe versucht die Preisentwicklungen stark bremsend zu schätzen, aber wir wissen alle, dass die Preise vermutlich noch deutlich schneller davonrennen werden... Würden die beiden Kamerasysteme gleiche Lebenserwartung haben (was nicht so ist) dann wäre das System mit Speicherkarten für "Vielfilmer" bereits deutlich günstiger. Würde man nun aber auch noch einbeziehen, dass die Kamera 50-100% länger halten wird (weil ohne Mechanik... vielleicht sogar 200%), dann hat der Vielfilmer mit einer Speicherkartenkamera nicht nur finanziell den längeren Atem. Immer wieder konnte ich gebrauchte Kameras (bis jetzt jede) verkaufen, wenn sie mir "zu lange" hielten und ich eine neue wollte (Grössenordnung ca. 10 Jahre) und wenn der Preis stimmt, kriegt man sie IMMER los, bzw. sie wird angerechnet beim Kauf einer neuen Kamera oder von Zubehör etc. . Vor zwei Monaten habe ich z.B. für eine alte Kamera im TAUSCH ein Unterwassergehäuse für einen Fotoapparat bekommen... Es ist also auch viel WERT, wenn eine Kamera schon alleine durch ihre BAUWEISE viel länger hält... unterm Strich ist das BARES GELD wert!!
Nun aber zu Szenario D, bei welchem man klar erwartet hätte, dass die Kassettenkamera vorne liegt.... Sorry, aber auch hier kann man mit Speicherkarten gleich viel / wenig ausgeben auf das gesamte Kameraleben gerechnet.
Warum sieht man das nicht sofort? - Vermutlich weil viele glauben, dass man JETZT alle Medien zum Archivieren etc. schon kaufen müsste. DA liegt eben der Vorteil bei der Speicherkartenkamera: je länger sie hält, desto geringer werden die Preise für Karten / Festplatten / DVDs / BluRay Discs etc. und es kommen neue Produkte, wie die günstige einfach beschreibbare Karte zum Archivieren (so SanDisk), während man bei der Kassette EIN KAMERALEBEN LANG auf 60 Minuten pro Medium sitzen bleibt, auf dem Preis von 2 Euro sitzen bleibt und auf Teilen des Workflow (wie Spulen vor dem Capturing etc.) sitzen bleibt, während die Speicherkarten immer neue Anwendungen erfinden, wie eben, die Fernseher, die die Speicherkarten (AVCHD-Videos) direkt auslesen können - ohne irgendeinen Player, wie er bei der Kassette IMMER benötigt wird.... Und gerade ein Player kann in 15 Jahren auch für die Kassette schwierig(er) zu finden sein, wie wir hier im Forum auch diese Woche sehen: die Leute haben noch Kassetten zu Hause in VHS-C, Video8 , Digital8 etc. etc. und suchen Geräte um diese abspielen zu können. SD-Einschübe haben heute hingegen schon fast die Kaffeemachinen! - Auch das wird sich ändern, aber erstmal ist es ein grosser Hype, der, wenn die SD-Karte nicht mehr aktuell sein wird, dazu führen wird, dass man trotzdem immer noch viele Geräte finden wird, welche die Karte schlucken (TV, viele Festplattenrekorder, BackUp Geräte, PCs, billige Kartenlesegeräte mit PC-Anschluss auch für zukünftige PCs, ...).
Nein, die Kassette ist nicht deutlich teurer, aber für ein ähnliches Gesamtbudget ist sie deutlich umständlicher und deutlich antiquierter.
Übrigens: diese Szenarien sind NUR GÜLTIG im Sommer 2007.... schon bald wird man über solche Rechnungen lachen, denn stetig wird es günstiger mit der Speicherkartenkamera zu filmen und dann sind die Anschaffungskosten der Karten zum eigentlichen filmen beispielsweise von Anfang an, also beim Kauf der Kamera schon tiefer und die ganzen Rechnungen machen keinen Sinn mehr. Wenn es aber jetzt schon vergleichbar ist, sollte man zumindest aufhorchen und Kaufinteressenten sollten sich gut überlegen, WIE sie filmen möchten (Gewohnheiten, Workflow), wie lange sie eine Kamera benutzen wollen und von welchen Vorteilen der Medien sie profitieren möchten.