Hallo Edgar,
normalerweise grabbt man PAL-Signale mit 720x576, weil dabei eine Zeile auf dem Videoband später einer Zeile des Videos entspricht. Mehr macht auch keinen Sinn, da VHS nicht einmal die 720 horizontale Auflösung schafft. Vielleicht die Hälfte. Dieses Format hat auch den Vorteil, daß es DVD-kompatibel ist. Abspeichern würde ich entweder mit MPEG2 und 8000k/s, MP4 oder AVCHD.
Von Billig-USB-Grabbern möchte ich abraten. Suche einmal unter Canopus, auch bei Ebay. Das sind technisch solide Grabber, und man bekommt sie auch schon gebraucht.
Ein Tip: Besorge/leihe Dir zum Abspielen einen S-Video-Recorder und grabbe in S-Video, auch wenn Deine Bänder nur normale VHS-Bänder sind. Die Qualität wird wesentlich besser. Zum Hintergrund sage ich erst etwas, wenn danach gefragt wird
Wichtig ist auch, daß die Bänder nach dem Grabben und VOR dem Komprimieren entrauscht werden, weil alle Formate wie MPEG2 usw. mit Rauschen sehr schlecht klarkommen, und dadurch unnötige Artefakte entstehen. Das sieht, je nach Ausgangsmaterial, dann grauenhaft aus. Der Pixelsalat ist nicht auszuhalten, vor allem Kanten sind total ausgefranst und flimmern.
Ich habe früher schon mehr als 100 Videokassetten digitalsiert. Mein Workflow war der: Grabben der Bänder in einem verlustlosen (HuffYUV, Lagarith) oder verlustarmen Format, z.B. DV-AVI. Mit diesen Files bin ich dann in den TMPEGEnc-MPEG2-Encoder gegangen. Dieser hat den Vorteil, daß er eine sehr gute Entrausch-Funktion hat, und man die Schärfe so korrigieren kann, daß keine künstlich aufgesteilten Kanten entstehen, sondern ein schärferer Bildeindruck entsteht. Dieser MPEG2-Encoder erlaubt auch noch andere Korrekturen des Bilds. Dann habe ich mit diesem Encoder in MPEG2 mit max. Bitrate, also 8000k/s ausgegeben, da ich damals noch DVDs produziert habe. Dann waren die digitalisierten Videos so gut, oder sogar besser als die Originalbänder, weil sie vom Rauschen weitgehend befreit waren.
Eine andere Lösung wäre: Ein DVD-Recorder mit eingebautem VHS-Laufwerk. Das ist die schnelle 08/15-Lösung, aber Du kannst weder entrauschen, noch hast Du den S-Video-Vorteil. Das ist nur was für Leute, die 500 Bänder haben und ihr restlichen Leben nicht mit grabben verbringen möchten
Alle anderen simplen Lösungen, bei der das VHS-Signal einfach gegrabbt und sofort in ein Format wie MPEG2 gequetscht werden, liefern schlechtere Qualität, als es das Originalband hat. Das war für mich damals nicht akzeptabel. Aber, wie Du ja siehst: Wenn Du Deine VHS-Bänder ohne Qualitätsverlust digitalisieren willst, bedarf es eines gewissen Aufwands.
Die Formate MPEG2, AVCHD usw. sind auch über Mediaplayer oder Clients abspielbar. Aber, unter uns: VHS ist ein so schlechtes Zuspielsignal, daß sich die Verbesserungen von AVHCD gegenüber MPEG2 bei hohen Datenraten überhaupt nicht bemerkbar machen. AVCHD bringt bei gleicher Datenrate bessere Resultate als MPEG2. Aber nur, wenn auch das Ausgangsmaterial entsprechend gut ist. Das ist bei modernen HD-Cams der Fall, aber nicht bei alten VHS-Bändern.
Noch eine Tip: Spule die Bänder vor dem Grabben ein paarmal vor und zurück. Manchmal klebt das Band am Wickel, wenn die Bänder lange gelagert waren, und dann wird der Bandlauf gestört. Das gilt vor allem, wenn Du auf einem anderen Videorekorder wiedergibst, als aufgenommen wurde.
Viele Grüße
Horst