Hallo Jimmy!
Bei Architekturaufnahmen... tja, das kann ich verstehen: wie will man ein hohes Gebäude ohne Schwenk von unten nach oben (od. umgekehrt) aufnehmen, wenn kein Platz ist um es aus genügend Abstand aufzunehmen?
Du machst das sicher gut und richtig.
Das mit der Gefühlssache ist so eine Sache.... Wenn es um Kunst geht, dann steckt bei den grossen Genies beispielsweise oft lange Planung dahinter. Goethe hat bis zu seinem Tode seiner Werke immer wieder korrigiert und für "besser" als die alte Fassungen erklärt. Aber auch andere Schriftsteller machten regelrechte "Storyboards" bevor sie loslegten. Beim Filmen ist das nicht anders. Die Duschszene im Psycho I ist nicht einfach da, damit die Frau sauber wird, sondern die Frau WÄSCHT DIE SCHULD von sich (weil sie ja Geld unterschlagen hatte..) und darum ist der Mord von Norman Bates umso grausamer: er tötet eine Frau, die gerade ein fast religiöses Ritual vollzieht. Sie hat gerade erst Vernunft angenommen und möchte das Geld zurückbringen, da wird sie getötet und bleibt für immer eine Schuldige. Hitchcock hat das so gewollt. Auch Perspektiven und "Lichtmalerei" sind alle gewollt. Typisch ist das Licht und der Kontrast im klassischen Drama im Hollywood der 60er Jahre. Sogar die Farben der Kleider sind speziell ausgewählt. Klassiker im Film sind gespickt mit Metaphern und Allusionen - und alle sind berechnet. Der Kameramann hat sozusagen gar nicht mehr die Wahl der Perspektive, sondern sie muss der Aussage des Filmes angepasst werden. Die Zuschauer, die auch die Allusionen im Film nicht direkt verstehen finden den Film "grossartig" und können es nicht erklären, weil das Verstehen im Unterbewusstsein stattfindet. Der Film ist eine einzige Harmonie und das kann alles zerstört werden, wenn da eine Kameraeinstellung ist, die nicht in den Fluss und in die Aussage des Rests passt.
Ehrlich gesagt hören sich für mich Deine gefilmten Motive schon so bunt und interessant an, dass eine ruhige Kameraführung schon reicht um Zuschauer für 40 Minuten zufrieden zu stellen. Dann nimm mal zur Abwechslung eine deutsche Stadt und zeig das Ergebnis den Leuten, die dort wohnen. Gefällt es ihnen immer noch so gut? - Dann hast Du es im Blut! - Wenn nicht, dann lerne dazu, probier aus und wende das dann auf die schon interessante Kulisse in Asien an. Von da an wird alles DOPPELT gut wirken: sehenswerte Bilder, sehenswert umgesetzt und nicht sehenswerte Bilder einfach abgefilmt.
Nachhaltig auf Schwenks und Zooms zu verzichten ist nicht notwendig, wenn Du es richtig anwendest. Aber es muss ein bewusster Grund vorliegen, warum gezoomt oder geschwenkt wird. Alles andere ist "aus dem Bauch raus" und das kenne ich nur von Mozart und der hat nicht gefilmt.
Du fragst nach meiner filmischen Biografie?
In der Praxis filme ich viel unter Wasser oder Dokus in anderen Ländern und verkaufe einen Teil der Bilder. Die Theorie habe ich an der Uni, wo ich auch gerne Vorträge über Teilgebiete von Film und Fernsehen halte (2x pro Jahr) und arbeiten schreibe (gerade jetzt über:
Der semiotische Aspekt von Farben in der Fernsehwerbung). Gefilmt habe ich von Super8, über VHS, VHS-C, Video8, Hi-8 und schliesslich MiniDV. Professionell habe ich bis jetzt nur einmal eine Zeit als Fotograf gearbeitet - dabei habe ich auch viele Hochzeiten oder Hotelwerbung u.ä. gefilmt, das war ..... nicht gerade spassig
